Dienstag, 20. Dezember 2011

4. Adventssonntag - Live Aufnahmen Schola St. Michael

Dominica Quarta Adventus

Aus der gregorianischen Messe im überlieferten Ritus zum
4. Sonntag im Advent, 17:00 h, Pfarrei St. Michael Nieder-Ramstadt.


Introitus: Rorate coeli de super

Graduale: Prope es Dominus     und
Alleluia: Veni Domine 
nacheinander in einer Aufnahme.

Beim Hören fällt mir auf, dass wir nach dem Alleluia den anschliessenden Gesang von Hochwürden Jolie elegant abgewürgt haben :)
Die Aufnahmeleitung nimmt das nächste Mal bestimmt darauf Rücksicht und lässt das Evangelium weiterklingen.
Der Choral zum Offertorium, das "Ave Maria", wird nachgereicht.

just my 2 cents..

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Alleluja: Veni Domine - Vierter Adventssonntag

Dominica Quarta Adventus

Alleluja, alleluja
Komm, Herr, und säume nicht,
und nimm den Druck der Sündenlast
von Deinem Volke Israel.
Alleluja

Zum Anhören bei St. Rene Goupil bitte HIER klicken.

Das Alleluja im 3. Ton, Phrygisch, beginnt relativ untypisch auf der 2. Stufe und endet auf der 6. Stufe. Die Eckpunkte liegen also jeweils einen Ton über dem Grundton, bzw dem Tenorton.
Charakteristische Elemente im Jubilus sind die aufeinander folgenden, melodisch absteigenden Clivis, von denen jeweils der erste gedehnt ist. Im Beispiel rot eingekreist (zur Erklärung siehe bitte das Java-applet "Neumen" rechts oben an der Seite).


Das eindeutige Zentrum des Gesangs bilden die "Sünden", deren Vergebung der Beter vom Herrn erbittet. Das "Komm Herr", der Ruf nach der Ankunft des Herrn erhält hier seine theologische Bedeutung. Wie Papst Benedikt in seinem ersten Buch "Jesus von Nazareth" ausführt schwingt in diesem Ruf nicht nur die Hoffnung über die Ankunft des Erlösers mit, sondern offenbart sich direkt der gesamte Kreis der Gnade und Erlösung von der Ankunft bis zum Tod am Kreuz und Auferstehung - die Erlösung der Sünden der Welt.

In eindringlicher dreifacher Ausführung wird die "facinora - Sündenlast" besungen und bekannt, ihre Bedrohung durch Wiederholen im solistisch gesungenen Teil herausgestellt.

Direkt danach setzt die Schola ein, passenderweise zu den Worten "plebis tuae - deinem Volk" und beendet den Psalmvers mit einem beeindruckend tief führenden Melisma. Hier müssen die Sänder sich zurücknehmen, dürfen die tiefen Töne nicht pressen, sondern möglichst leicht mit heller Vokalfärbung singen - in diesem Fall natürlich aus klanglichen Gründen, nicht aus theologischen :). Die rot eingekreisten Töne sollen darüberhinaus auch noch gedehnt erklingen, was die Sache auch nicht einfacher macht.

Ganz unbekannt ist mir diese musikalische Wendung allerdings nicht. Im alten Rom gabs offensichtlich auch Copy&Paste, nur eben noch nicht per Mausclick.
Beim Graduale zum Fest Mariä Heimsuchung gibt es die identische Melodie in der letzten Choralzeile.
Vergleiche bitte:

Aber schön ist es trotzdem.

just my 2 cents...

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Graduale: Prope est Dominus - Vierter Adventssonntag

Dominica Quarta Adventus

(Ps. 144, 18 u. 21)
Nahe ist der Herr allen, die zu Ihm rufen,
allen, die aufrichtig zu Ihm rufen.
Vers:
Laut soll mein Mund das Lob des Herrn verkünden,
und alles Leben preis Seinen heiligen Namen.
Zum Anhören bei St. Rene Goupil bitte HIER klicken.

Neuer Record (2015)


Siehe auch "Downloads", bzw HIER




Der Gesang scheint am Anfang das "Nahe ist der Herr - Prope est Dominus" wörtlich zu nehmen zumindest wenn man die "nahe beieinanderliegenden" Noten, den kleinenTonraum zu Beginn bis zum Asteriscus (*) wo die Schola einsetzt, so interpretieren will.
Auch bei diesem Gesang ist die Einleitung nicht im eigentlichen 5. Choralton, Lydisch, gesetzt sondern bewegt sich im 6. Ton, im hypolydischen Tonraum. Das ist für den Sänger durchaus eine Herausforderung, wird doch durch die lydische Forsetzung eine grosser Tonraum geschaffen, der sängerisch zu bewältigen ist.
Dann beginnt er zu singen bei "allen die zu Ihm rufen - omnibus invocantibus eum" wobei "eum", der Herr, besonders reich ausgeschmückt ist und auf dem Grundton endet. Hier müssen die Sänger auf die saubere Ausführung der Tonwiederholungen achten.
Bei "omnibus invocant eum - allen die zu ihm ...rufen" wird der eigentliche lydische Tonraum wieder nach unten verlassen wie um Platz zu schaffen für den Kern der Aussage "in veritate - wahrhaftig, aufrichtig". Es geht eben nicht nur darum nach dem Herrn zu rufen, es bedarf auch der entsprechenden inneren Geisteshaltung. Dies wird hier in einem langen Melisma hervorgehoben:

Interessant ist der Schluss des Melismas. Es kam mir vor wie ein musikalisches Deja vu zu einem Graduale, das wir dieses Jahr schon gesungen hatten. Vergleiche HIER den Abschnitt "orbis terrarum", bzw siehe den entsprechenden Bildausschnitt, den ich dort besprochen hatte:

Was sich optisch nicht direkt erschließt, ist klanglich eindeutig verwandt. Die gleiche Phrase erklingt nochmal in der Schlusswendung in diesem Gesang - "ejus" - wo die Schola wieder miteinsetzt. Siehe hier:

Im Melisma zu "veritate" erklingt die Phrase zweimal nacheinander, wobei beim zweiten Mal eine Steigerung eingesetzt wird, die dann auch am Ende bei "ejus" den Schluss des Gesangs bildet.

Der Psalmvers bietet bei "Domini" eine schöne musikalische dreimalige Wendung mit der Dehnung des jeweils oberen Tons: Die Folgendehnungen sind in der Quadratnotation nicht wiedergegeben, aber im Graduale Triplex aus den Neumen eindeutig ableitbar. Ich habe die Stellen rot eingekreist.

Sängerisch nicht einfach fand ich den Quintsprung nach unten bei "benedicat", der sich doch deutlich abhebt vom relativ hohen und melodisch eng begrenzten Melisma bei "os meum - mein Mund". Den einfachsten Zugang finde ich hier, wenn ich die Passage vom Tenorton her "denke", auf dem sowohl das meum als auch das benedicat enden.


Als ein Fan von symetrischen Wendungen möchte ich zum Schluss noch das "omnis caro" hervorheben.
Bei imnis führt der Gesang melodisch nach oben, wird abgelöst von einem Mittelteil, der in sich durch die Dehnungen symetrisch aufgebaut ist und schliesst mit einer elegant nach unten führenden am Ende gedehnten Wendung - ein Kleinod.


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Introitus: Rorate coeli de super - Vierter Adventssonntag

Dominica Quarta Adventus

Dieser Sonntag hatte ursprünglich keine eigene Liturgie, da der Gottesdienst des vorangehenden Quatembertages, der sich mit der Erteilung der heiligen Weihen durch die ganze Nacht hinzog, erst mit der Frühe des Sonntags zu Ende ging. Später schob man die Quatemberfeier auf den Morgen des Samstags und stellte dann, meist aus Texten der Quatembertage, eine eigene Messe für diesen Sonntag zusammen.
(Quelle: Schott)
Die Praxis der Quatemberwoche nach dem 3. Adventssonntag ist bereits durch Papst Leo dem Großen (um 400-461) bezeugt, hat also eine beeindruckend lange Tradition. Im Zuge der Liturgiereform beschloss die Deutsche Bischofskonferenz 1972, den sog. Winterquatember in die erste Adventswoche zu legen. Die Gründe dafür sind mir nicht bekannt.

Der Introitus selbst ist ein sehnsuchtsvoller Ruf nach dem Erlöser. Ausserdem fungiert er als Namensgeber für die sog. "Rorate"-Messen im Advent, die in der Regel früh morgens an Wochentagen gelesen werden.
Für einen Sonntag, der zunächst keine eigene Liturgie hatte eine erstaunliche "Karriere", aber auch ein Beleg für die Nachhaltigkeit und die spirituelle, liturgische Tiefe seiner Texte, die auch in vielen Kirchenliedern verwendet werden, z.B. im Lied "Tauet Himmel den Gerechten" oder in Friedrich Spee's "O Heiland reiß den Himmelauf" in der Strophe:
O Gott ein Tau vom Himmel gieß,
im Tau herab, o Heiland fließ.
Ihr Wolken brecht und regnet aus
den König über Jakobs Haus.

(Is. 45,8)
Tauet, Himmel, von oben!
Ihr Wolken, regnet den Gerechten!
Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor!
(Ps. 18,2)
Die Himmel künden Gottes Herrlichkeit,
und Seiner Hände Werke rühmt das Himmelszelt.
(Quelle: Schott)


Zum Anhören bei St. Rene Goupil, bitte HIER klicken.

Der Choral beginnt mit einer kräftigen authentischen Melodiefloskel zwischen dem Grundton und dem Tenorton des dorischen Modus, die shensuchtsvolle Anrufung lautmalerisch steigernd zum höchsten melodischen Punkt auf den Text "de super" (von oben).
Der "Gerechte" (justum) auf den die Welt so sehnsüchtig wartet ist im Anfangston gedehnt. Ich lasse die Schola auch auf dem letzten Ton von justum etwas verweilen.

Beim "aperiatur terra" (es öffne sich die Erde) wird die Größe der Bitte durch die relativ grosse Melodiedistanz unterstrichen, die den Gesang schliesslich wieder zum Grundton zurückführt um in der erdigen Tiefe und Kraft des 1. Modus den zu erwähnen, dem alle Bitten und alle Rufe gelten - SALVATOREM, dem Erlöser, dem Retter, dem Heiland.

Der Gesang ist kurz und eindeutig, wie seine Botschaft. 
Er verzichtet auf grosse Umschreibungen, auf umständliche Melismen (grosse Koloraturen auf einer Silbe).
Der Kern der christlichen Sehnsucht bedarf keiner Umschweife, er kommt direkt zum Punkt.
Darin ist auch die Popularität der Texte und der Gesänge begründet, die sich auf diese Rufen beziehen.
Nebensächlichkeite würden im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte untergehen. Kernbotschaften leben weiter, wie angedeutet in vielen Formen und Liedern.

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Freitag, 25. November 2011

Alleluja: Ostende nobis - Erster Adventssonntag

Dominica Prima Adventus

In logischer Forführung aus dem Aufschauen der Seele zu Gott, dem Vertrauen darauf nicht enttäuscht zu werden, folgt die Bitte um das Erbarmen Gottes im Jubelruf des Alleluja.

Alleluja, alleluja.
(Ps. 84, 8)
Erzeige uns, o Herr, Deine Barmherzigkeit,
und schenke uns Dein Heil.
Alleluja

Zum Anhören einer Version benediktinischer Mönche auf der Seite www. sanctamissa.org bitte HIER klicken.

Der Gesang ist durch ständige Halbtonwechsel zwischen "b" und "h" und viele Intervalle im Terz-/Quart-Bereich melodisch sehr anspruchsvoll und technisch schwierig zu bewältigen. Zudem hat er nicht, wie die meisten Alleluiagesänge, am Ende des Versteils, wenn die Schola bei "da nobis" wieder einsetzt eine weitgehende Wiederholung der Alleluiamelodie. 


Der Anfang des Gesang bezieht seine Spannung durch den Beginn unterhalb des Grundtons, was vom Hören her zunächst eine andere Tonalität vermuten lässt. Doch mit Erreichen und Umspielen des Tenortons c und dem Ende auf dem Grundton werden Eigenschaften des 8. Tons hörbar. Diese tonale Spannung wird auch während des Versteils aufrechterhalten und prägt zusammen mit den Halbtonwechseln und dem kurzzeitigen Verlassen des hypomixolydischen Tonraums um einen Ton nach oben (bei misericordia & tuum) den Charakter des Gesangs.

Die Weite der göttlichen Barmherzigkeit ist wunderbar musikalisch vermittelt durch die tonale Amplitude (roter Strich) bei "misericordiam tuam". Die Spannung wird dadurch verstärkt, dass der Ton, mit dem diese Phrase beginnt, am Ende moduliert wird (blau ->grün eingerahmt).

Der gleiche Tonraum wird auch verwendet beim längsten Melisma auf "tuum" - und schenke uns dein Heil. Wie als Reminiszenz endet dieses Melisma auf der gleichen Tonstufe auf der das Alleluja beginnt.

Das "da nobis", die Stelle an der die Schola wieder einsetzt zeigt in 3 Abschnitten das Charakteristikum des Allelujas mit dem jeweiligen Beginn unterhalb des Grundtons (rot) und dem Ende auf dem Grundton (grün).
Auch die Halbtonmodulation ist hier nochmals zu sehen (blau).

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Donnerstag, 24. November 2011

Graduale: Universi - Erster Adventssonntag

Dominica Prima Adventus

Der Anfang des Psalms 24, der schon zum Introitus zu hören war, wird auch im Graduale verwendet, die Botschaft durch Wiederholung vertieft. Zum 3. Mal erscheint dieser Text dann zum Offertorium.

Graduale (Psalm 24, 3-4)
Herr, all die vielen, die auf dich warten,
werden nicht enttäuscht.
Vers: Herr, mach mir kund deine Wege
und lehre mich deine Pfade.

Zum Anhören einer Version benediktinischer Mönche auf der Seite www. sanctamissa.org bitte HIER klicken.

Der Gesang ist vor allem durch seinen großen Tonumfang für die Sänger nicht einfach zu bewältigen.
Strenggenommen steht der Beginn des Graduale bis zum solistisch gesungenen Vers eigentlich im 2. Ton. 

Musikalisch gelungen finde ich vor allem das "qui te expectant", das durch die Verlängerung der Neumen bildlich die Geduldsprobe zeigt, die der Gläubige in Erwartung der Ankunft des Erlösers auf sich nimmt.


Beim "Domine" muss die Schola die Atempause so kurz wie möglich halten vor dem abschliessenden Melisma, was nicht einfach ist, da der vorhergehende Teil, das "non confundentur" mit verlängertem Domine schon atemtechnisch sehr diszipliniertes Singen verlangt. Ich versuche das durch eine leichte Beschleunigung so einfach wie möglich zu halten für die Sänger.

Musikalischer Höhepunkt des Gesangs ist das große Melisma auf "Domine" im Versteil mit dem immer wiederkehrenden von oben mit einer Terz angesteuerten Tenorton. 

Diese Figur zeigt sich später noch zweimal bei "notas fac" und "mihi" (tu mir kund). Durch die hohe Melodieführung bei "notas fac" steigt der Tonumfang des Gesangs auf über 1 1/2 Oktaven, was - meine stimmlichen Möglichkeiten betreffend - zugegeben nicht leicht fällt.

Ab "et semitas tuas" wird der Gesang wieder in angenehmere tonale Regionen zum Grundton zurückgeführt. Bei "edoce me" stimmt die Schola wieder in den Gesang mit ein. Die Tonwiederholung bei "me" lasse ich deutlich absetzen, den 2. Ton etwas hervorheben um den Schluss des Gesangs ein klares rhythmisches Gerüst zu geben.

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Introitus: Ad te levavi - Erster Adventssonntag

Dominica Prima Adventus

Die Texte des 1. Adventssonntags weisen auf den Doppelcharakter des Advents hin:
Die Vorbereitung auf Weihnachten als Erinnerung an die erste Ankunft des Heilands in seiner Geburt aus Maria und die Vorbereitung auf seine zweite Ankunft zum letzten Gericht.
(Quelle: Schott)
Die Texte der Messliturgie fordern uns auf mit ganzem Herzen Gott hinzuwenden umbereit zu sein für die zweite Ankunft wie im Evangelium (Luk. 21 25-33) verkündet wird: Wenn nun das alles eintritt, dann schauet auf und erhebet euer Haupt, denn es naht eure Erlösung".
Dieses Aufschauen der Seele ist das Thema des Introitus.

(Psalm 24, 1-3)
Zu dir erhebe ich meine Seele;
mein Gott, auf dich vertraue ich.
Darum werde ich nicht erröten,
noch sollen meine Feinde mich verlachen.
Denn all die vielen, die auf Dich warten,
werden nicht enttäuscht.
Vers:(Ps. 24, 4)
Herr zeige mir Deine Wege
und lehr mich Deine Pfade.


Zum Anhören bei St. Rene Goupil bitte HIER klicken.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch eine andere Webseite vorzustellen.
www.sanctamissa.org, die HIER  eine umfangreiche Sammlung gregorianischer Gesänge im Kirchenjahr anbietet, gesungen von benediktinischen Mönchen aus Sao Paulo. Deren Live-Version des Introitus mit Orgelbegleitung kann man sich HIER anhören.
Leider verzichten beide Versionen auf das Gloria Patri.

Der Gesang steht im 8. Ton und bewegt sich in einem sehr engen Tonraum. Das untere Ende des 8. Tons wird lediglich in einer kurzen Note am Anfang berührt, dem "Ad te levavi".
Die für mich schönste musikalische Stelle folgt mit der Anrufung "Deus meus" und der Versicherung "in te confido" (auf dich vertraue ich), die fast demütig bittend klingt. Dies wird durch die melodische Tritonusspannung erreicht, zwischen "in te" (Töne unterstrichen) und "confido" (Kreis) mit verlängerter betonter Note.

Die beiden folgenden Stellen sind musikalisch sehr ähnlich. 

Charakteristisch sind die Repetitionen auf der 4. Stufe, die von der Schola ein rhythmisch sauber abgestimmtes Singen verlangen, um nicht "verwischt" zu klingen. Tonbildnerisch interessant ist, dass hier, bei den Aussagen des Psalmisten über sich selbst, am Ende jeder Phrase die Rückkehr zum Grundton steht, wie als Bestätigung des sicheren Fundaments, auf dem der Sänger sich fühlt in seinem Gottvertrauen.

Das "etenim universi, qui te expectant" (Denn all die vielen, die auf Dich warten) lasse ich etwas beschleunigt singen um die Ungeduld auf das Kommen des Erlösers interpretatorisch zu betonen.
Demgegenüber klingt das "non confundentur" ruhig aus mit dem verlängerten Torculus auf dem Grundton.

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Mittwoch, 2. November 2011

Chant grégorien des Bénédictines du Barroux : "In Paradisum"

Sehr empfehlenswert ist im Bereich Gregorianischer Choral & Frauenstimmen das Album "In Paradisum" der Benidiktinerinnen du Barroux, die es u.a. hier zu kaufen gibt.
Auch auf youtube zu hören mit der berühmten Sequenz "Dies irae, dies illa".


Bzw. hier der Tractus "Commovisti". Also viel schöner kann man den kaum mehr singen, behaupte ich mal:


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Montag, 31. Oktober 2011

Aufnahmen - D.N. Jesu Christi Regis

In Festo Domini Nostri Jesu Christi Regis


Aufnahmen der Männerschola St. Michael, Nieder-Ramstadt.
1) Zum Öffnen klicken Sie bitte auf den entsprechenden link.
2) Speichern Sie die Datei auf ihrem Rechner
  • entweder mit einem Klick auf den "Download" Button.
  • oder über das Menue Datei > Herunterladen

Introitus: Dignus est Agnus 


Alleluja: Potestas ejus

Hymnus: Vexilla regis (wurde zur Kommunion gesungen)

Noten: Vexilla regis.pdf (Dank an das freie WIMA Musikarchiv)
Weitere Info zu diesem berühmten Hymnus: siehe Wikipedia.

Die Schola war diesmal etwas dünner besetzt, weil 2 von 6 Männern nicht dabei sein konnten. Ich finde dafür haben die Männer wirklich hochkonzentriert und gut gesungen.

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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Alleluja: Potestas ejus - D.N. Jesu Christi Regis

D.N. Jesu Christi Regis

Alleluja, Alleluja
(Daniel 7,14)
Sein Herrschertum ist ewiges Herrschertum;
nie wird es Ihm genommen;
Sein Königtum geht nie zugrunde.
Alleluja


Zum Anhören bitte HIER klicken. Eine solistische Aufnahme der niederländischen Frauenschola "Catharina".
Ich habe mich entschlossen, den Lesern des Blogs zur Abwechslung für die Gesänge dieses Festes Aufnahmen einer Frauenstimme vorzustellen. Zum Einen weil es die einzigen frei verfügbaren Vertonungen waren, die ich zu diesen Gesängen im Web gefunden hatte, zum Anderen um auch mal andere Klangfarben anzubieten. Ich finde die 3 Stücke (Introitus, Graduale, Alleluja) sehr schön gesungen.

Wie den anderen Gesängen zuvor wurden auch dem Alleluja zum Fest Christkönig neue Verse unterlegt. Die Ausgangskomposition ist das zweite Alleluia "Christus resurgens" der Dominica IV post Pascha (4. Woche nach Ostern) nach der Zählung im traditionellen Ritus, bzw der Dominica Quinta Paschae (5. Osterwoche) nach neuer Zählweise (so zu finden im Graduale Romanum, bzw. Graduale Triplex)
Vergleiche bitte:


Die Männerschola singt das Alleluja um einiges schneller als in der obigen Aufnahme der Schola Catharina, weil meiner Meinung nach der Jubel des Alleluiagesangs dadurch besser zum Ausdruck kommt. Trotzdem sind z.B. im Jubilus kurze Atempausen nicht zu vermeiden.

Die Schlusswendung mit der abfallenden Terz klingt betörend offen auch wenn sie natürlich auf dem Grundton schliesst. Ein eigenartig schöner, überaschender Schluss.
Das hängt möglicherweise mit dem ursprünglichen Text der Osterzeit zusammen. Die kontinuierliche melodische Steigerung der ersten 3 solistisch gesungenen Abschnitte, macht mit dem Originaltext wesentlich mehr Sinn "Christus - resurgens - ex mortuis" (Christus von den Toten auferstanden). Sie wirkt etwas authentischer als das unterlegte "Potestas ejus - potestas - aeterna".
Melodisch leicht nachgebessert wurde die folgende Stelle. Während im Original ein kräftiger authentischer Schluss steht bei den letzten beiden Silben (Pes + Punctum):
Hier hat die Christkönigversion mit einer Silbe mehr für mich einen schwächer klingenden Schluss mit Torculus aus der vorletzten Silbe (Torculus + Punctum).

Wie schwierig es ist Texte zu unterlegen zeigt vor allem die folgende Stelle:
Wo im Original "mors", "der Tod" besungen wird, der nun keine Macht mehr über Christus hat, muss sich der Gesang an Christkönig mit dem Wort "et", "und" bescheiden. Natürlich nimmt das dem Gesang nicht seine Schönheit, aber der lautmalerische Horizont, die begriffliche Abildung in Melismen kann hier nicht so wirken wie im ursprünglichen Gesang.


Das ist nicht als "schlechte Kritik" gedacht, sondern soll die Schwierigkeiten verdeutlichen, die mit der Unterlegung eines neuen Textes hier auftreten.
Bei "quod non corrumpetur" setzt die Schola wieder ein und wie bei Alleluias in der Regel üblich, erklingt hier wieder die Melodie des Eingangs und des Jubilus bevor das Alleluia selbst nochmal gesungen wird.
Auch wenn ich mich wiederhole - die Schlusswendung ist wunderschön.

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Mittwoch, 26. Oktober 2011

Graduale Dominabitur a mari - D.N. Jesu Christi Regis

D.N. Jesu Christi Regis

Psalm 71, 8 u. 11
Er herrscht von Meer zu Meer,
von Strom zu Strom
bis an die Grenzen der Erde
Vs.: Ihm huldigen die Könige der Erde;
Ihm dienen die Völker.
Zum Anhören bitte HIER klicken. Eine solistische Aufnahme der niederländischen Frauenschola "Catharina".

Wie schon beim Introitus handelt es sich auch hier um eine bereits existierende Komposition, bei der, zum Fest Christkönig wunderbar passende, Verse aus dem Psalm 71 unterlegt wurden. Dadurch sind einige geringfügige melodische bzw. melismatische Änderungen zurückzuführen.
Die Ausgangskomposition ist das Graduale "Omnes des Saba venient" vom Fest "In Epiphania Domini"

Vergleiche bitte:

Der Gesang ist durch seine langen Melismen eine nicht geringe Herausforderung für die Scholasänger. Nach dem solistisch gesungenen "Dominabitur" empfiehlt sich ein gehobenes Tempo um die Melismen bei "a mariusque" in einem Zug zu singen. Mit einem kurzen Schnappatem vor "ad mare" können die Sänger dann ohne eine groß hörbare Unterbrechung diese Wendung ruhig ausklingen lassen.
Beide Passagen zu Beginn bestechen durch ihren relativ großen Tonumfang, ein Kunstgriff, der bis auf die Schlusspassagen dieses Gesangs durchgängig verwendet wird und der mit der im Psalmtext beschriebenen umfassenden Herrschaft des Herrn sehr bildhaft korreliert.

Die einzige syllabische Passage, "usque ad terminos", lasse ich etwas ruhiger singen bevor die Schlussmelismen bei "orbis terrarum" vor dem Psalmvers erklingen.
Charakteristisch für diese Komposition ist eine kurze insgesamt viermal auftretende Melodiefloskel (dreimal im Psalm und einmal im Versteil). Der Wiedererkennungseffekt lässt sich leicht erhöhen wenn durch einen einheitlichen Melodierhythmus die gleichen Töne leicht hervorgehoben werden. Diese sind jeweils rot markiert.

 Die sehr gelungene neue Textunterlegung zeigt sich im Psalmvers, in dem das jubelnde, längste Melisma des Gesangs "eum", ihm, Gott selbst, vorbehalten ist mit dem 3 malig repetiertem Höhepunkt am Ende. Siehe den letzten Bildausschnitt.
Ein letztes Beispiel für die Kunst die Worte passend zur Melodie zu setzen ist die Schlusspassage des Pslamverses "servient ei" - Ihm dienen (die Völker).
Hier wird die 4 Stufe durchgängig als erniedrigter Ton verwendet was das Bild demütiger  dienender Hingabe unterstreicht.
 
Die Schola setzt beim Wort "ei" (sprich e-i) wieder ein. Es ist ziemlich schwierig und anstrengend für die Sänger ein längeres Melisma auf dem Vokal "i" zu singen. Wir mussten längere Zeit daran arbeiten durch eine einheitliche Mundformung hier einen homogenen Klang zu erzeugen. Ich bezeichnete das salopp als "Sängerschnute". Das rief etwas Heiterkeit hervor, führt aber hoffentlich zum gewünschten Ergebnis. Die Aufnahmen stelle ich wie beim Introitus nächste Woche ein.

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Introitus Dignus est Agnus - D.N. Jesu Christi Regis (Christkönig)

Domini Nostri Jesu Christi Regis


Papst Pius XI. wollte das Jubeljahr 1925 (1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa 325) feierlich beschließen mit einem neuen Fest  zu Ehren des Königtums Jesu Christi.
Eingeführt wurde das Fest mit der Enzyklika Quas Primas (in Englisch auf der Vatikanseite). Bereits am 21. November 1926 wurde in Bischofsheim bei Mainz die wohl erste Christkönigs-Kirche geweiht.

Das Fest soll fortdauernd die Welt an die unveräußerlichen Königsrechte erinnern, die dem Heiland als Gottessohn und Erlöser zustehen und dazu beitragen, dass die Staaten und Menschen sich seinem sanften Herrscherjoch unterwerfen. Christus soll mehr und mehr herrschen im Geiste der Menschen durch den Glauben; im Willen durch die gehorsame Unterwerfung unter die Gebote Gottes und der Kirche, des sichtbaren Reiches Christi; im Herzen durch die Liebe, und auch im Leibe, der ja ein heiliger Tempel Gottes sein soll.
An diesem Fest wird die Weihe des ganzen Menschengeschlechts an das Heiligste Herz Jesu erneuert. (Quelle: Schott)

In der außerordentlichen Form, im Vetus Ordo Missae (VOM) findet das Fest am letzten Sonntag im Oktober statt. Im Novus Ordo Missae (NOM), der Liturgiereform des II. Vatikanums feiert man das Fest am letzten Sonntag im Kirchenjahr, Ende November. 

Introitus (Apoc. 5, 12; 1,6)
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde,
zu empfangen Macht und Gottheit
und Weisheit und Kraft und Ehre.
Ihm sei die Herrlichkeit und die Herrschaft
in alle Ewigkeit.
Ps. (71,1): Gott, gib dein Richterrecht dem König,
dem Königssohn dein Herrscherrecht.
(Quelle: Schott)


Zum Anhören bitte HIER klicken. Eine solistisch gesungene Version der Frauenschola Catharina. Die Live-Aufnahme der Männerschola St. Michael stelle ich nächste Woche als eigenen Blogbeitrag rein.

Da das Fest noch sehr jung ist, wurden dafür keine neuen gregorianischen Melodien komponiert. Die Texte wurden bestehenden Gesängen unterlegt. Die Melodie entstammt dem Introitus "Dum sanctificatus" der Vigilmesse am Vorabend zu Pfingsten. Zum Vergleich siehe:

Kleinere melodische Anpassungen bei "Dignus est Agnus" sind daher textbezogen.

Der Gesang beginnt mit einer freudig schnell aufsteigenden Melodie, hervorhebend, wem die Ehre gebührt - dem Lamm, das geschlachtet wurde.
Die Silbenunterlegung beim "qui occisus" erscheint einfach und doch empfiehlt es sich diese Stelle mehrmals zu proben um entsprechende Sicherheit zu gewinnen, zumal hier die Schola nach dem solistischen Eingang einsetzt.

Es folgt ein Aufzählung von 5 Attributen, die das Lamm, Jesus Christus, durch sein Opfer und Gehorsam empfängt:
Macht 

Gottheit 

Weisheit 

Kraft 

Ehre.


Den Anfang macht die "Tugend", bescheiden auftretend durch gemäßigte Tonlage, geringen Tonumfang und den tiefsten Schlusston.
Melodisch am höchsten angesiedelt ist das Attribut "Gottheit". Es sticht sowohl durch die aufsteigende melodische Linie heraus, als auch durch den höchsten Schlusston aller Attribute.
Dem am nächsten kommt die "Weisheit" hervorgehoben durch die vier repetierenden Töne.
Dem folgt die "Kraft", mit der für mich schönsten melodischen Wendung erzeugt durch die Tritonusspannung zwischen oberen und unteren Ton der Melodie.
Die "Ehre" ist mit der längsten Melodie und den meisten Melismen bedacht.

Allen Attributen gemeinsam ist die Verlängerung der jeweiligen Schlusstöne, was den Aufzählungscharakter natürlich unterstreicht.

Durch diese Attribute begründet sich des Lammes Ruhm und Herrschaft - ipsi gloria et imperium. Dieser Teil hebt sich kompositorisch schön ab indem er den Umfang des 3. Tons in dieser kurzen Passage ausnutzt - von oben nach unten zum Ende hin. Durch ein leicht schnelleres Tempo, vor allem bei "ipsi gloria" kann die Schola den Unterschied zur vorangegangenen Aufzählung noch besser verdeutlichen.

In der Schlusswendung "in saecula saeculorum" lasse ich zwischen den Worten atmen. Man könnte es evtl auf einen Atem durchsingen, aber mir ist es wichtiger, dass die Schola am Ende noch genügend Luft besitzt um den Choral ruhig und gemessen ausklingen zu lassen.


just my 2 cents..