Mittwoch, 26. Oktober 2011

Graduale Dominabitur a mari - D.N. Jesu Christi Regis

D.N. Jesu Christi Regis

Psalm 71, 8 u. 11
Er herrscht von Meer zu Meer,
von Strom zu Strom
bis an die Grenzen der Erde
Vs.: Ihm huldigen die Könige der Erde;
Ihm dienen die Völker.
Zum Anhören bitte HIER klicken. Eine solistische Aufnahme der niederländischen Frauenschola "Catharina".

Wie schon beim Introitus handelt es sich auch hier um eine bereits existierende Komposition, bei der, zum Fest Christkönig wunderbar passende, Verse aus dem Psalm 71 unterlegt wurden. Dadurch sind einige geringfügige melodische bzw. melismatische Änderungen zurückzuführen.
Die Ausgangskomposition ist das Graduale "Omnes des Saba venient" vom Fest "In Epiphania Domini"

Vergleiche bitte:

Der Gesang ist durch seine langen Melismen eine nicht geringe Herausforderung für die Scholasänger. Nach dem solistisch gesungenen "Dominabitur" empfiehlt sich ein gehobenes Tempo um die Melismen bei "a mariusque" in einem Zug zu singen. Mit einem kurzen Schnappatem vor "ad mare" können die Sänger dann ohne eine groß hörbare Unterbrechung diese Wendung ruhig ausklingen lassen.
Beide Passagen zu Beginn bestechen durch ihren relativ großen Tonumfang, ein Kunstgriff, der bis auf die Schlusspassagen dieses Gesangs durchgängig verwendet wird und der mit der im Psalmtext beschriebenen umfassenden Herrschaft des Herrn sehr bildhaft korreliert.

Die einzige syllabische Passage, "usque ad terminos", lasse ich etwas ruhiger singen bevor die Schlussmelismen bei "orbis terrarum" vor dem Psalmvers erklingen.
Charakteristisch für diese Komposition ist eine kurze insgesamt viermal auftretende Melodiefloskel (dreimal im Psalm und einmal im Versteil). Der Wiedererkennungseffekt lässt sich leicht erhöhen wenn durch einen einheitlichen Melodierhythmus die gleichen Töne leicht hervorgehoben werden. Diese sind jeweils rot markiert.

 Die sehr gelungene neue Textunterlegung zeigt sich im Psalmvers, in dem das jubelnde, längste Melisma des Gesangs "eum", ihm, Gott selbst, vorbehalten ist mit dem 3 malig repetiertem Höhepunkt am Ende. Siehe den letzten Bildausschnitt.
Ein letztes Beispiel für die Kunst die Worte passend zur Melodie zu setzen ist die Schlusspassage des Pslamverses "servient ei" - Ihm dienen (die Völker).
Hier wird die 4 Stufe durchgängig als erniedrigter Ton verwendet was das Bild demütiger  dienender Hingabe unterstreicht.
 
Die Schola setzt beim Wort "ei" (sprich e-i) wieder ein. Es ist ziemlich schwierig und anstrengend für die Sänger ein längeres Melisma auf dem Vokal "i" zu singen. Wir mussten längere Zeit daran arbeiten durch eine einheitliche Mundformung hier einen homogenen Klang zu erzeugen. Ich bezeichnete das salopp als "Sängerschnute". Das rief etwas Heiterkeit hervor, führt aber hoffentlich zum gewünschten Ergebnis. Die Aufnahmen stelle ich wie beim Introitus nächste Woche ein.

just my 2 cents...

Kommentare:

ultramontanus hat gesagt…

Salü. Du schreibst von einer viermal auftretenden Melodiefloskel, bei der du die gleichen Töne leicht hervorheben willst. Du hast die zu betonenden Töne mit roten Episemen markiert. Allerdings scheinen sie mir zuweilen der Notation zu widersprechen.

1. Das Motiv auf dem "a" von "dominabitur" endet eben nicht auf dem Ton A, sondern strebt nach G, verhält dort kurz und schwingt mit einem Ausgleichsschlenker nach F auch auf G aus. Das unmittelbar vorhergehende kurze A kann also nicht betont werden.

2. "a flumine" - Sehe ich genauso.

3. "terrarum" - Sehe ich genauso.

4. Das große Melisma auf dem "a" von "illuminare": Das hat meiner Ansicht nach wenig mit den drei vorhergehenden Stellen zu tun. Vielmehr ist es ein Anlauf, um die strahlende Höhe zu gewinnen, die für das "illuminare" eben nötig ist. Deshalb liegt kein Grund vor, diese Stelle in das rhythmische Schema der vorigen zu pressen. Vielmer sollte man es singen wie notiert, also die erste Neume der Bivirga auf C betont und jeweils die erste Neume der beiden folgenden Clives (D und C), ebenso die erste des folgenden Pes: C-c D-h C-a C-d F-f F C (statt: c-C d-H c-A ...)

(Just my 2 cents...)

wrtlx hat gesagt…

Vielen Dank für den Kommentar!
Was die Neumatik betrifft, bzgl. 1 und 4 hast du höchstwahrscheinlich vom musikwissenschaftlichen Standpunkt aus recht.
Die Problematik war mir schon bewusst. Ich behaupte deshalb auch nicht, dass man die 4 Stellen so singen soll, wie ich sie illustriert habe. Dass ich diese Stellen so singen möchte und kommentiert habe ist reines Bauchgefühl und das sagt mir, dass es hier eben doch einen Zusammenhang gibt, bzw genauer, dass ich ihn so höre. Näher kann ich das leider nicht begründen. Auch deshalb exponiere ich einzelne Stellen um andere Meinungen zu hören.
Jetzt hoffe ich mal, dass meine Erkältung bis So einigermaßen weg ist und nicht nur Halskratzen und Erkältungsjodeln zu hören ist in der Aufnahme...