Donnerstag, 12. Januar 2012

2. Sonntag nach Epiphanie - Graduale: Misit Dominus


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Dominica II post Epiphaniam

Graduale (Ps. 106, 20-21)

Der Herr sandte Sein Wort und heilte sie;
Er entriss sie ihrem Verderben.
Vers:
Darum sollen sie den Herrn für Sein Erbarmen
und für Seine Wundertaten an den Menschenkindern preisen.
(Quelle: Schott)
 Zum Anhören des Chorals gesungen von Benediktinern auf der Seite www.sanctamissa.org bitte HIER klicken.
Die Aufnahme ist etwas verrauscht.

Update: Hier noch eine solistisch gesungene Version von Schola Catharina.

Das Graduale stimmt die Gläubigen textlich ein auf die Lesung, das Erbarmen Gottes betonend, das die Gläubigen Gottes Lobpreis anstimmen lässt.
Der solistisch gesungene Anfang ist wie so oft im  Graduale hypotonal, d.h. unterhalb des eigentlichen Tonraums des 5. Tons (Lydisch) gesetzt.
Die Schola setzt ein bei "verbum suum", das im Tonraum zwischen Tenor und Grundton angesiedelt ist. Nach "verbum" kann die Schola kurz atmen. Die Stelle wäre ansonsten zu lang selbst bei sehr schnellem Singen.
Melodisch interessant wird es im Folgenden in dem textlich die Heilstat Gottes an den Gläubigen benannt wird.
Das "et sanavit" wirkt hier wie ein Auftakt. Herausgehoben werden melismatisch vor allem diejenigen, denen Gottes rettendes Eingreifen gilt: Sie - die Menschenkinder. Die Stelle muss sehr schwungvoll von der Schola begonnen werden um am Ende die Kraft zu haben für die abschließenden Dehnungen. Das melodische Ziel ist der Tenorton, der auch als Basis für den weiteren Fortgang dient.

Das "eripuit eos" (er entriss sie) ist dabei relativ leicht von den Sängern zu bewältigen. Melodisch sehr anspruchsvoll ist hingegen die Stelle "de interitu eorum" (ihrem verderben), auch wenn das auf den ersten Blick nicht so wirken mag. Das Verderben ist hier tonal fast plastisch dargestellt. Die in "eorum" eingebaute Tritonus-Spannung (roter Kreis) tritt bis dahin im Gesang nicht auf und wird abschliessend aufgelöst.
Danach folgt Akkordarbeit auf dem Tenorton für den Solisten. "Confiteantur" (Sie sollen preisen) und zwar ausgiebig :)
Die Stelle ist charakterisiert durch die ständig wiederkehrenden fallenden Terzen vom Tenor nach unten. Bei "Domino" wird dieses Prinzip nur tonal verbreitert und gegen Ende der Tenorton fast symetrisch umspielt.

Das eigentlich Herzstück aber steht dem zu der gepriesen werden soll , "misericordiae ejus" (sein Erbarmen).
Melodisch bestimmend im langen Melisma bei "misericordiae" eine Figur bestehend aus Punctum mit anschliessenden zwei clivis (rot umrandet), die dreimal aufeinanderfolgend stufenversetzt angeordnet ist.

Bei "et mirabilia ejus" (und seine Wundertaten) wird die Stelle "et eripuit eos" musikalisch zitiert. Ich habe sie hier zur Verdeutlichung im Bild untereinander angeordnet.
Mit "hominum" als Teil des Begriffs "filiis hominum" (Menschensöhne, bzw. Menschenkinder) setzt die Schola wieder ein - die fallenden terzen zitierend die vorher bei "Confiteantur Dominum" vorkommen, wie um sie an den Lobpreis Gottes nochmals zu ermahnen.

Das Graduale ist insgesamt sowohl für die Schola als auch für den Solisten ein sehr anspruchsvoller Gesang mit schwierig zu bewältigenden Passagen, die eine disziplinierte Atemtechnik und viel Aufmerksamkeit bei den Sängern erfordern.

just my 2 cents...

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