Freitag, 18. März 2011

Introitus: Lex Domini

Schon wieder stehen Proben an unter Hochdruck.
Diesmal für ein levitiertes Hochamt am 26. März 2011 in St, Joseph, Mainz.
Eine Messe in der ein Diakon und ein Subdiakon dem Priester assistieren.
Wer sich ein solches Amt mal ansehen möchte und nicht am 26. März nach Mainz kommen kann, der siehe bitte: http://gloria.tv/?media=23530
Als Introitus steht der Psalm 19:8 an. Lex Domini irreprehensibilis.
In der besten aller Welten würde die Choralschola auch noch das Offertorium (Illumina oculos meos)singen. Aber mit nur 2 Proben ist mir das zu riskant.
Eine Besonderheit bereiten wir dennoch vor. Den Hymnus Vexilla regis prodeunt, von V. Fortunatus.
Infos dazu liefert Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Vexilla_regis). Ein wirklich atemberaubend schönes und durch textliche Tiefe beeindruckendes Stück, das vollkommen zurecht weltberühmt ist und knapp 1500 Jahre überliefert wurde.
Ich verstehe wirklich nicht, warum dieser Hymnus nicht mehr im Graduale enthalten ist. Selbst wenn ich es verstände, ich könnte es niemandem erklären. Vieleicht ist Mutter Kirche doch bisweilen ein wenig geizig mit ihren Schätzen, wie schon angedeutet.




Zum meiner Herangehensweise beim Einüben des Introitus Lex Domini:

Es hat eine schöne, fast symetrische Eröffnung bis zum Asteriscus, mit Dehnung auf der ersten und der letzten Silbe. Lässt sich wunderbar auf einen Atem singen, das Tempo bestimmt sich dadurch von alleine.

Vor allem bei längeren lateinischen Wörtern, wie hier dem "irreprehensibilis" hat es sich bewährt, diese mehrmals mit der richtigen Betonung zu sprechen. Die betonte Silbe "si" wird nicht nur melodisch als Höhepunkt ausgewiesen. Sie ist die einzige Silbe, die mehr als einen Ton aufweist und soll laut den darunterliegenden Neumen (leider nur zu sehen im Graduale triplex) auch zusätzlich durch Dehnung hervorgehoben werden. Ich behalte das verzögerte Tempo bis zum Ende des Wortes bei. Es hat sich für die Homogenität des Schola als sehr hilfreich herausgestellt, wenn die Schlusssilben eines Abschnitts sowohl deutlich ausgesprochen, als auch rhythmisch durch eine minimale Verzögerung hervorgehoben werden.
"Convertens animas folgt auch gesanglich der normalen Wortbetonung.



Melodisch und durch Verlängerung der Noten hervorgehoben ist die Silbe "mo" in testimonium. Gleiches beim nachfolgenden fidele. Vor dem nachfolgendem "Dei fidele" lasse ich atmen, aber nur weil Wiederbelebungsmassnahmen sehr aufwendig sind, nicht aus musikalischen Gründen. Es ist mit wichtiger, dass die Schola am Ende eines Abschnitts noch die Kraft hat die Schlussnoten sauber zu halten. In diesem Fall möchte ich das "fidele" mit einem ruhig gesungenen Bogen zu Ende singen.
Das "sapientiam"  singen wir sehr gleichmässig, die betonte Silbe nur leicht hervorgehoben.
Danach erneut - Atmen (gleicher Grund wie vorher).


Der Betonung des "Prae" von Praestans folgen die nächsten betonten Silben "par" und "vu" des Wortes parvulis. Mit Betonen meine ich einen leicht hervogehobenen ersten Ton der jeweiligen Tongruppe.
Mir gefällt an diesem Schluss sehr die Steigerung der Tonzahl in den aufeinanderfolgenden Silben/Wörtern "Praestans parvulis".
"Praestans" - 3 Töne, "par" - 4 Töne, "vu" - 5 Töne vor den beiden gedehnten Schlusstönen auf "lis".
Das ist wie eine - man verzeihe mir den Ausdruck - natürlich eingebaute Bremse, eine Art auskomponiertes Ritardando, auch wenn es diesen Ausdruck zur jener Zeit wohl nicht gab.
Ich empfinde das so und die Schola kann das mit dieser Erklärung gut umsetzen. Das reicht mir als Grund allemal. Der Anschluss bei der Wiederholung des Introitus nach Psalm und Gloria Patri ist auf dem gleichen Ton wie die Psalmodie endet und damit problemlos.

Jetzt muss nur noch alles klappen.

Kommentare:

jolie hat gesagt…

wir drücken die daumen....

Johannes hat gesagt…

Ähm, das vexilla regis stand noch nie im Graduale, weil es ein Vesperhymnus ist,und deshalb ins Antiphonale gehört. Leider gibt es kein aktuelles Liber usualis, da wäre dann alles drin. Also ist die Kirche doch ein bißchen geizig mit ihren Schätzen.

wrtlx hat gesagt…

Das bezog sich einen Satz im verlinkten Wikipedia Artikel am Ende von "Liturgische Verwendung": "Im gegenwärtig aktuellen Graduale Romanum steht das Lied nicht mehr."
"Nicht mehr" heisst für mich soviel wie "Es stand schon mal drinnen".
Nix genaueres weiss ich leider nicht.